News from Nelly, Dezember 2009

Ein Mensch, der seine Berufung gefunden hat und in idealer Weise umsetzt, ist glücklich, hat Charisma und ist völlig authentisch er selbst.

Im Laufe meiner Tätigkeit als Beraterin, Coach und Mentorin entwickelte ich eine besondere Sensibilität für Geschäfte, die von Frauen gegründet worden sind. So lernte ich manche Unternehmerinnen kennen, auf welche obiges Zitat wie zugeschnitten ist.

Ein treffendes Beispiel dafür ist Anita Fäh, die mit 24 Jahren eine Bäckerei-Konditorei unter dem Namen „Süesses & Guets GmbH’ in unserem Dorf eröffnet hat. Gerne lasse ich die Jungunternehmerin zu Wort kommen, die ich nach ihrem Werdegang befragen durfte. Daraus hat sich ein Interview ergeben, das wunderbar in die Advents- und Weihnachtszeit passt.

Liebe Frau Fäh, was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich für den Beruf einer Bäckerin und Konditorin entschieden haben?
Spontan sage ich „mein Mami!“ Angesichts dessen, dass sich meine Schwester als Köchin ausbilden liess und ich eigentlich nur Desserts zubereiten wollte, hat mich der Bäckerinnenberuf von Anfang an begeistert. Meine Lehre habe ich in den Jahren 1997 bis 2000 absolviert.

Wie kamen Sie auf die Idee, sich in Frenkendorf selbstständig zu machen und eine GmbH zu gründen?
Weil ich arbeitslos geworden bin, habe ich zu Hause gearbeitet und im kleineren Rahmen Pralinen, Mandelgipfel und anderes mehr hergestellt – nur kein Brot! Anno 2005, mit 24 Jahren, habe ich den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt, nachdem ich aufgrund meiner Standort-Analyse ein passendes Lokal in Frenkendorf gefunden hatte. Weil ich nicht mit meinem Privatvermögen haften wollte, habe ich die Form einer GmbH gewählt.

Welche Personen haben Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Meine Eltern. Die GmbH habe ich mit meiner Mama gegründet.

Der Name Ihres Unternehmens „Süesses & Guets GmbH“ tönt viel versprechend! Hatten Sie schon als Kind eine besondere Beziehung zu Süssem?
Oh ja! Schon als vierjähriger Knirps habe ich gerne Grättimännli modelliert. Und das Basteln wie das Entwerfen von kreativen Sachen hat mich schon immer fasziniert.

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Früh übt sich... ... wer eine Meisterin werden will!

Wann stehen Sie morgens auf? Ab wann sind Sie in Ihrer toll eingerichteten Backstube anzutreffen? Und wie lange arbeiten Sie durchschnittlich am Tag?
Jeden Morgen stehe ich um 03.30 Uhr auf - hie und da auch etwas früher. Ab vier Uhr bin ich in meiner Backstube, wo ich durchschnittlich 11 bis 12 Stunden pro Tag am ‚Handwerken’ bin.

Gibt es Brot, das gerade „in“ ist?
Wir kennen die Dinkelbrotwelle. Ich selbst habe nie gross auf Trends geachtet und mich vielmehr auf das Backen von Broten konzentriert, die bei meiner Kundschaft beliebt sind. So wie dies mit meinem speziell entwickelten Schraubenbrot der Fall ist.

Bieten Sie Süssigkeiten an, die sich fast wie heisse Weggli verkaufen?
Ja, Crèmeschnitten und Schoggi-Makrönchen!

Welche Ideen möchten Sie für ein Adventszvieri und die Festtage kreieren, bei welchen Sie Ihre Phantasie einbringen können?
Vermutlich werde ich wie im vergangenen Jahr eigens für Weihnachten gebackenes Konfekt herstellen und mit Orangenkrokant-Schokolade gefüllte Engelchen anbieten, die wie alle Süssigkeiten mein Markenzeichen „Eigenfabrikat“ tragen.

Heute spielen für viele Verbraucher die Inhaltstoffe der Lebensmittel eine wichtige Rolle. Ist dies auch bei Ihnen so?
Es gibt Kunden, die allergische Reaktionen auf gewisse Stoffe bekunden oder auch Magenprobleme haben und dies auch so zum Ausdruck bringen. Doch eher selten. Die Frage „Wie lange halten die Produkte?“ wird mir häufiger gestellt.

Denken Sie, dass Sie beruflich wie privat gut vernetzt sind? Welche Bedeutung hat Netzwerken für Sie?
Privat fühle ich mich ausserordentlich gut getragen. Mein Familiennetzwerk hält fest zu mir und unterstützt mich von allen Seiten. Meine Mama macht die Buchhaltung, mein Vater packt tatkräftig an, und auch meine Grosseltern helfen hin und wieder mit. Wenn ich meine Angehörigen brauche, sind sie für mich da. Anders könnte ich mein Unternehmen kaum führen. Beruflich habe ich mich dem Gewerbeverein KMU Frenkendorf/Füllinsdorf angeschlossen, wo ich wertvolle Kontakte aufbauen und pflegen kann.

Wenn ich Ihren Laden betrete, werde ich jedes Mal sehr freundlich empfangen und bedient. Mir ist aufgefallen, dass Sie Frauen beschäftigen, die abwechslungsweise im Einsatz sind. Welche Tipps würden Sie jungen Gründern und Unternehmern für die Mitarbeiterführung mit auf den Weg geben?
Meine Angestellten sind ein Glücksgriff! Wir helfen einander, wo es nur geht. Zu meiner Genugtuung verspüre ich eine ausgeglichene Balance zwischen ‚Geben und Nehmen’. Heute sind wir ein erfolgreiches Team, auf welches ich stolz sein darf. Schon deshalb empfehle ich Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden, gleich von Beginn weg ein verständnisvolles Miteinander anzustreben.

Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?
In erster Linie müssen die Leidenschaft und Freude am kreativen Schaffen vorhanden sein! Frauen wie Männer, welche den Bäcker- und Konditorenberuf ergreifen möchten, sollten zur Kategorie der Frühaufstehenden gehören und sich bewusst sein, dass sie einen harten Job ausüben. Täglich grossen Temperaturschwankungen unterworfen zu sein, ist nicht jedermanns Sache. Hingegen möchte ich potenziellen Jungunternehmenden Mut machen, sich selbstständig zu machen!

Herzlichen Dank für das Quäntchen Zeit, das Sie sich fürs Beantworten meiner Fragen genommen haben.
Eine besinnliche Adventszeit, frohe Festtage und für das Jahr 2010 Gesundheit, viel Erfolg, Freude und Zufriedenheit wünscht in herzlicher Verbundenheit
Ihre Nelly Meyer-Fankhauser, Gründerin NEFU Schweiz