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Gosteli-Archiv zur Geschichte der Frauenbewegung in der Schweiz ist gerettet

Gosteli-Archiv zur Geschichte der Frauenbewegung in der Schweiz ist gerettet

 

NZZ-LogoKathrin Alder 11.01.2021, 11.21 Uhr

Marthe-Gosteli

Lange war unklar, ob das umfassende Privatarchiv der Berner Frauenrechtlerin Marthe Gosteli weiterbestehen kann. Doch nun spricht der Bund Gelder. Das Archiv gilt neu als Forschungseinrichtung von nationaler Bedeutung.

«Gebt den Schweizerinnen ihre Geschichte» – es scheint, als hätte sich der Bund die Losung der Berner Frauenrechtlerin Marthe Gosteli zu Herzen genommen. Just im Jahr, in dem die Schweiz das 50-jährige Bestehen des Frauenstimmrechts feiert, gibt es gute Neuigkeiten für die Geschichte der Schweizer Frauenbewegung: Das umfassende Gosteli-Archiv ist gerettet, wie Radio SRF am Montagmorgen vermeldete.

Laut dem Bericht zahlt der Bund in den nächsten vier Jahren insgesamt rund 4 Millionen Franken an das Archiv, das von der Gosteli-Stiftung getragen wird. Diese gilt neu wiederum als Forschungseinrichtung von nationaler Bedeutung. Der Geldsegen könnte gar noch üppiger ausfallen. Auch der Kanton Bern hat Finanzhilfe in Aussicht gestellt – unter der Bedingung, dass sich auch der Bund beteiligt. Dieses Kriterium ist nun erfüllt. Laut Radio SRF werden die Gespräche über die Höhe der Berner Beteiligung in den nächsten Wochen stattfinden.

Das Gosteli-Archiv gilt als Gedächtnis der Schweizer Frauenbewegung. Gegründet wurde es 1982 von Marthe Gosteli, die im Kampf um das Schweizer Frauenstimmrecht eine entscheidende Rolle spielte. Zunächst vor allem in der Berner Stimmrechtsbewegung aktiv, verlegte sie ihren Kampf um gleiche politische Rechte für Mann und Frau später auf die nationale Ebene. Von 1967 bis 1972 gehörte sie dem Bund Schweizerischer Frauenbewegungen an, in dem sie bis 1971 als Vizepräsidentin amtete. Im selben Jahr präsidierte sie auch die Arbeitsgemeinschaft der Schweizerischen Frauenverbände für die politischen Rechte der Frau. Ihr wird zugeschrieben, durch geschickte Verhandlungen mit dem Bundesrat wesentlich dazu beigetragen zu haben, dass das Frauenstimmrecht auf eidgenössischer Ebene schliesslich doch noch angenommen wurde.

Als Standort für ihr Archiv wählte Gosteli ihr Elternhaus in Worblaufen vor den Toren Berns. Bis zu ihrem Tod im Frühling 2017 sammelte sie alles, was mit der Geschichte der Schweizer Frauenbewegung im Zusammenhang stand. Das Archiv finanzierte sie aus ihrem eigenen Vermögen.

Nach ihrem Tod war unsicher, ob das Archiv weiterbestehen kann. Vor allem das Geld fehlte. Die nationale Politik schaltete sich ein, Parlamentarierinnen aus verschiedenen Parteien lancierten Vorstösse. Anfang 2020 reichte der Nationalrat eine Motion ein, mit der er vom Bund eine finanzielle Unterstützung von 4 Millionen Franken forderte. Verfasst wurde sie von der nationalrätlichen Bildungskommission. Später ging beim Bund zudem eine Petition mit über 11 000 Unterschriften ein, welche die Rettung des Gosteli-Archivs forderte. Und auch die Stiftung selbst wurde aktiv. Bereits 2019 stellte sie beim Bund ein Gesuch um Unterstützung, das vom Wissenschaftsrat und dem zuständigen Departement eingehend geprüft und nun gutgeheissen wurde. Gerade rechtzeitig, denn laut eigenen Angaben hätte das verbleibende Vermögen noch bis Ende 2021 gereicht.

Die Stiftung könne nun das Archiv und seine Bestände weiter sichern und «zu einem bedeutenden Gedächtnisort der Schweizer Frauengeschichte» weiterentwickeln, schreibt die Leiterin des Archivs, Silvia Bühler, auf Anfrage. Konkret bedeute dies, dass etwa die Aufarbeitung und Erschliessung der Bestände intensiviert werden soll oder dass man die audiovisuellen Unterlagen digitalisieren wolle. Weiter sollen auch die Zusammenarbeit mit anderen «Gedächtnis- und Bildungsinstitutionen» verstärkt und neue Angebote entwickelt werden. Der Stiftungsrat der Gosteli-Stiftung werde diesbezüglich eine Strategie erarbeiten.
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Sämtliche NEFU Unterlagen, seit der Gründung, sind im Gosteli Archiv bestens aufgehoben.

 

mit-Nelly-im-Gosteli-Archiv-2016
Gabriella Canonia, Geschäftsführung NEFU Schweiz, und Nelly Meyer-Fankhauser, Gründerin von NEFU Schweiz, im Gosteli Archiv 21. Juni 2016

 

unsere-Unterlagen-im-Gosteli-Archiv
Unsere Unterlagen im Gosteli Archiv Juni 2016

 

mit-Martha-Gosteli-im-Bundeshaus-2016
Letztes Treffen mit Marthe Gosteli im Bundeshaus: 24. November 2016

 

Hier der direkte Link zu unseren Unterlagen im Gosteli Archiv
https://gosteli.anton.ch/objects/32575